Ganz unbequem scheint es im Auto nicht gewesen zu sein, denn wir wachten später auf
als geplant und stellten fest, daß unser "Zeltplatz" nicht nur mitten in den Feldern
lag, sondern auch direkt neben einem Recyclinghof (klingt besser als Müllhalde).
Naja egal, da konnten wir gleich unser Leergut loswerden.
Dann ging's zur Tankstelle, den Wagen auffüllen, uns auf der Tankstellentoilette
frischmachen und im Shop unser Frühstück und etwas Proviant kaufen. Anschließend
fuhren wir nach Mangatepapo, dem Startpunkt der Tongariro Crossing Wanderung, wo
wir gegen 9 Uhr den Wagen abstellten, uns gut mit Sonnencreme einrieben und dann
losmarschierten. Zunächst ging es über ein weitläufiges Lavafeld bis zum Soda Springs
Wasserfall, der uns gleich zu einer längeren, entspannten Pause einlud. Doch
irgendwann mußten wir weiter, wir hatten ja noch knapp 18 km vor uns, und der
anstrengende Teil der Wanderung stand uns noch bevor. Es ging die Hänge an der
Westseite des Vulkanplateaus empor, und nach einem schon recht anstrengenden
Aufstieg standen wir am Hang des Mt Ngauruhoe, dem berühmten Schicksalsberg Mordors
in den Herr-der-Ringe-Filmen (unsere halbe Reise war geprägt von Tolkiens Roman bzw. Jacksons
Kinomeisterwerk). Zwar waren wir schon erschöpft, doch so nahe dem Ursprung des
Ringes wollten wir nicht aufgeben, so daß Frodo und Sam äh Markus und Schorsch
todesmutig den steilen Aufstieg angingen, während Arwen nach Bruchtal weiterritt äh
Steffi schonmal langsam den Weg weiterging. Zum Gipfel des Ngauruhoe gab
es keinen Weg, man mußte sich einfach die beste Route nach oben suchen, was
nicht ganz leicht war, denn mit jedem Meter nach oben rutschte man einen
halben mit dem Geröll und der Vulkanasche wieder runter. Ja, die
Gefährten des Rings scheuten keine Mühen, um die freien Völker Mittelerdes
zu retten.
Völlig erschöpft erreichten wir schließlich den Rand des Kraters, der zur
Hälfte mit Schnee gefüllt war. Doch aus einer Kraterrandgipfelspitze stieg
heißer Rauch auf. Das mußte der Schmiedeort des Rings sein. Schnell
kletterten wir hinauf und hielten fotografisch fest, wie wir den Einen
Ring dort vernichteten, wo er geschaffen worden war. Dann gönnten wir uns
für die Weltrettung das wohlverdiente, allerletzte Bier und genossen
den atemberaubenden Blick über den vulkanischen Nationalpark.
Doch bald schon mußten wir wieder aufbrechen, denn Arwen/Steffi wartete
schon lange auf uns. Zunächst stiegen wir wie einige andere Leute recht vorsichtig
ab, da das Geröll seinem Namen entsprechend immer wieder unter unseren
Füßen wegrollte. Doch irgendwann machten wir aus der Not eine Tugend
und "surften" großen Schrittes den Berg hinab. Ich hatte schon ein bißchen
Angst, eine größere Lawine auszulösen (Schorsch wohl weniger) und bremste
regelmäßig ab, doch die Angst war unbegründet. Und so kamen wir in
kurzer Zeit mit viel Spaß, ein paar Schürfwunden vom Lavagestein an den
Unterschenkeln und den Schuhen voll Sand und Steine wieder am Fuß
des Schicksalsberges an.